Startseite Neuigkeiten Seite drucken Ist die gegenseitige Anerkennung von PEFC und FSC sinnvoll, praktikabel, wünschenswert?

Ist die gegenseitige Anerkennung von PEFC und FSC sinnvoll, praktikabel, wünschenswert?

«Vom Wald bis zum Grosshandel.» In einem ersten Podium lieferten sich vier Vertreter aus der Wertschöpfungskette Holz einen spannenden Diskurs.V.l.n.r.: Karl Büchel (Gruppenmanager der Zertifizierungsgruppe Artus, Vertreter Waldwirtschaft), Bernard Jermann (Forstlogistik Partner AG, Vertreter Forstunternehmer FUS), Moderator Michel Geelhaar, Gaspard Studer (Holzindustrie Schweiz HIS), Dieter Kaspar (Swiss Krono AG, Holzverarbeitung).
Foto: Alain Douard

PEFC Schweiz hat mit einem ganztätigen Forum den Diskurs über die Koexistenz von zwei Zertifizierungssystemen für Wald und Holz in der Schweiz initiiert. «Ist die gegenseitige Anerkennung von PEFC und FSC sinnvoll, praktikabel, wünschenswert? Und wo positioniert sich das Label Schweizer Holz?» Diese Fragen diskutierten knapp 50 Fachpersonen der Wald-, Holz- und Zertifizierungsbranche sowie Label-Nutzerinnen und -Nutzer aus der Deutschschweiz und der Romandie und lieferten wertvolle Anregungen.

Medienmitteilung vom 1. November 2019

Ein Ziel, zwei Wege: PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification schemes) und FSC (Forest Stewardship Council) engagieren sich mit dem Instrument der Waldzertifizierung in vielen Teilen der Welt für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung. Das strenge Schweizer Waldgesetz garantiert per se eine verantwortungsvolle Nutzung der einheimischen Wälder. Welches sind also die Vor- und Nachteile, die zwei Zertifizierungssysteme für Wald und Holz in der Schweiz mit sich bringen? Und wo positioniert sich das Label Schweizer Holz? Wäre eine gegenseitige Anerkennung von PEFC und FSC überhaupt möglich? Falls ja, unter welchen Umständen? Und welche Herausforderungen stellen sich heute und in Zukunft für Produzenten, Verarbeiter und Händler in der Holzbranche im Umgang mit den Labels? Um diese Fragen zu diskutieren, lud das erste Schweizer PEFC-Forum am 30. Oktober 2019 nach in Stans-Oberdorf ein. Gleichzeitig war der Anlass Startschuss zur Standardrevision, die alle fünf Jahre dazu dient, die PEFC Standards zu überarbeiten, kritisch zu hinterfragen und zu verbessern.
PEFC ist ein dynamisches System. Eins, das partizipativ weiterentwickelt wird um nationalen Gegebenheiten Rechnung zu tragen. Darum soll das 20-Jahr-Jubiläum von PEFC Schweiz nicht nur Anlass zum Feiern sein, sondern als Gelegenheit genutzt werden, in die Zukunft zu schauen – und zwar mit allen Playern in der Labellandschaft für Wald und Holz in der Schweiz.
PEFC – das System für die Kleinwaldbesitzer
Einleitend gaben Vertreter von PEFC Schweiz, PEFC Deutschland und PEFC International Einblicke in ihre Arbeit und sprachen über Chancen und aktuelle Herausforderungen auf nationaler und globaler Ebene. Nach einer Einführung durch Olin Bartlome, der als neuer Geschäftsführer seit April diesen Jahres die Geschicke von PEFC Schweiz leitet,  zeigte Dirk Teegelbekkers, Geschäftsführer von PEFC Deutschland, auf, wie die Bekanntheit des PEFC-Labels in Deutschland seit 2011 von 11 auf 40 Prozent gesteigert werden konnte und dass neben dem Nachhaltigkeitszertifikat auch Regionalität – wie in der Schweiz – für Konsumentinnen und Konsumenten eine zentrale Rolle spielt. Thorsten Arndt, Leiter Kommunikation von PEFC International, unterstrich in einem charismatischen Inputreferat unter anderem die Wichtigkeit des PEFC-Labels für die Kleinwaldbesitzer – nicht nur auf der anderen Seite des Erdballs, sondern oder gerade auch bei uns. Er verwies dazu auf den aktuellen Report des Zentralverbands der Europäischen Waldbesitzer, der zum Schluss kommt, dass PEFC das beste System für Privatwaldeigentümer ist.
PEFC-zertifiziertes Holz wird nachgefragt. Dies wurde in der ersten Gesprächsrunde deutlich, in der sich Dieter Kaspar von der Swiss Krono AG als Vertreter der Holzverarbeitung, Gaspard Studer von Holzindustrie Schweiz (HIS), Bernard Jermann von der Forstlogistik Partner AG sowie Karl Büchel, Gruppenmanager der Zertifizierungsgruppe Artus und Vertreter der Waldwirtschaft unter der Leitung von Michel Geelhaar einen spannenden Diskurs lieferten. So sei sämtliches Holz, das von der Swiss Krono AG ins Ausland verkauft werde, PEFC- und FSC-gelabelt, sagte Dieter Kaspar, die Zertifizierung für den Marktzugang unerlässlich. Darum ist er auch bereit, für zertifiziertes Holz einen höheren Preis zu zahlen. Bernard Jermann als Vertreter der Forstunternehmer und des Transports betonte mehrfach die Notwendigkeit zertifizierter Waldflächen, um der Nachfrage nachzukommen und damit die mit dem Chain-of-Custody-Zertifikat (CoC) verbürgte Nachhaltigkeits-Kette nicht unterbrochen werde. Hier gibt es für PEFC Schweiz noch einiges zu tun. Da das PEFC-System jedoch auf Freiwilligkeit beruht, kann eine flächendeckende Zertifizierung, wie sie aus dem Plenum mehrfach gewünscht wurde, weder von den Waldbesitzern verlangt noch angeordnet werden. Eine zentrale Rolle kommt sensibilisierten Konsumenten zu, die auf Nachhaltigkeitslabel achten und PEFC-zertifiziertes Holz nachfragen.
Die Bedeutung der Labels nimmt zu
In einer zweiten Gesprächsrunde am Nachmittag erörterten Vertreter aller drei Labels für Wald und Holz in der Schweiz – PEFC, FSC und Schweizer Holz – ihre Chancen für die Zukunft. Die Klimaerwärmung wird den Druck auf die Wälder in Zukunft erhöhen - nicht nur, weil sie Quellen des nachwachsenden Rohstoffs Holz sind, sondern auch wegen ihrer Funktion als CO2- oder Wasserspeicher, als Schutzwälder oder Erholungsraum. «Nachhaltigkeit wird immer zentraler und damit die Bedeutung der Labels, die dies verbriefen, immer wichtiger», sagte Hubertus Schmidtke, Geschäftsführer von FSC Schweiz. Dies gilt auch für das Label Schweizer Holz, denn auch Regionalität gewinnt in der Nachhaltigkeitsdiskussion an Bedeutung. Da das Label Schweizer Holz ein reiner Herkunftsnachweis und damit kein Qualitätsstandard-Label ist, soll es –  wie Thomas Lüthi als Vertreter vom Label Schweizer Holz mehrfach betonte – nicht in Konkurrenz sondern in Ergänzung zu den Nachhaltigkeits-Labels stehen.
Alle fünf Jahre wird der PEFC-Standard in der Schweiz überprüft und überarbeitet. Um den Stakeholdern Gelegenheit zu geben, sich aktiv an diesem Revisionsprozess zu beteiligen, wurde zum Abschluss des Forums ein Runder Tisch veranstaltet und der erste von der Arbeitsgruppe entwickelte Entwurf vorgestellt.